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Die „Ökonomie-Designer“ aus Oberhaching

Das GWÖ-Planspiel-Event „Lecker Schokolade“ in drei Akten …. und einem Nachspiel

Ouvertüre

Vor den Toren Münchens fanden sich am 25. und 26.07.2023 unerschrockene Gymnasiast*innen der 10. Klassen zusammen, gestählt mit Unterrichtsinhalten des zurückliegenden Schuljahres in Wirtschaft & Recht, um im Rahmen der Projektwoche zu ergründen, ob es denn möglich wäre, die Marktwirtschaft nach anderen Regeln zu beleben, die sowohl das Gemeinwohl fördern, als auch den unternehmerischen Erfolg des nachhaltigen Betriebes ermöglichen.

1. Akt: „Das Casino ist eröffnet“

Also beschloss man, einmal zu versuchen ein schokoladenproduzierendes „start-up“ zu gründen und zu betreiben unter den bestehenden Systemregeln des Wirtschaftens.
Schnell wurde klar, dass konsequent nachhaltige Entscheidungen im Produktionsprozess zu gravierenden existenzgefährdenden Wettbewerbsnachteilen gegenüber Betrieben führt, die nur gesetzliche Mindeststandards einhielten, und damit kostengünstiger waren.

Das Dilemma wurde durch das haptische Planspiel mehr als klar. Mit konsequent unnachhaltiger Betriebsführung stiegen die Gewinn-Chips auf dem „Dashboard“ und gleichzeitig wurden auch die Externalitäten deutlich durch die hohen Stapel an schwarzen Externalitäten-Chips, die mit jeder Spielrunde immer höher wurden also die Verarmung der Gesellschaft als Ganzes in den Bereichen Ökologie, Klima, Arbeitsbedingungen, fairer Handel und sozialer Gerechtigkeit.

2. Akt: „Ökonomie-Design“

Die Jung-Unternehmer gingen in „Klausur“ und kamen zunächst zum Schluss, dass Regeln und Rahmenbedingungen geändert werden müssen und können: „Denn Geld ist ja eine gute Sache aber essen kann man es nun mal nicht!“.
Dann arbeitete man heraus, wie das Anreizsystem wirken könnte, damit konsequent nachhaltige Betriebsführung, die gesamtwirtschaftlich gewünscht wird, zu einem Wettbewerbsvorteil wird.
Allen war wichtig, die Betriebe nicht zu irgendetwas zu zwingen. Die Akteure schlugen vor, es zunächst mit Anreizen in Form einer Variation der USt./MWSt. zu versuchen, die gesamtwirtschaftlich gewünschtes Verhalten durch betriebliche Entscheidungen fördert. Die Produkte der Unternehmen, die nur gerade Mindeststandards einhielten und Folge dessen Externalitäten auf die Gesellschaft abwälzten, sollten durch einen hohen USt.-Satz belegt werden, um letztendlich die verursachten ökologischen Schäden aus Steuermitteln beseitigen zu können. Die Betriebe deren Produkte einen hohen gemeinwohlorientierten Standard erreichten, sollten dagegen durch geringe USt.-Sätze begünstigt werden – den Gymnasiast*innen erschien das logisch, da hier ja auch keine Schäden entstanden, die durch Steuermitteln kompensiert werden müssten.

3. Akt: „Die Transformation“

Also ging es so in die Spielrunde zwei mit den neu gestalteten Regeln.
Es war zu beobachten, dass sich die Gesamtnachfrage auf dem Markt wegen des allgemein anziehenden Preisniveaus abschwächte, denn Billig-Schokolade zu „Rammschpreisen“ gab es jetzt nicht mehr zu kaufen.
Viele Konsumenten entschieden sich nun für die Produkte mit einem hohen Gemeinwohl-Index also für Produkte, die hohe Anforderungen in den fünf Kategorien Bodenfruchtbarkeit, Klimaeffekt, fairer Handel, Arbeitsbedingungen und soziale Gerechtigkeit, da der Preisabstand von biologisch nachhaltiger Schokolade zu billig produzierter Schokolade durch die Variation der USt.-Sätze deutlich geringer wurde. Insgesamt war ein positiver Effekt der Entscheidungen der Betriebe auf das Gemeinwohl in den fünf Kriterien und eine deutliche Abnahme der Externalitäten zu beobachten.

Nachspiel: „Win-Win macht Sinn!“

Die Gymnasiast*innen belohnten sich nach dem vierstündigen Planspiel-Event mit dem „gustativen“ Erlebnis einiger Tafeln der in Ghana produzierten Bio-Schokolade des Münchner Unternehmens fairafric und stellten fest, dass das gute Gefühl das Geschmackserlebnis noch verstärkten kann. „Diese recht teure aber sehr sozial und nachhaltig produzierte Schokolade, esse ich mit ganz anderem Bewusstsein, als irgendeine Milka für 79 Cent aus dem Discounter“, war eine Reaktion der Teilnehmer*innen.
Alle fanden das entwickelte Modell ihres „Ökonomie-Designs“ sehr sinnvoll: „Jetzt werden die Probleme gar nicht erst verursacht, um sie dann später mit hohem finanziellen Aufwand zu beseitigen – und es gibt ja auch Externalitäten, die kannst du gar nicht mehr reparieren, z.B. das Klima!“
Andere merkten an aufgrund der Tatsache eins pro-Kopf-Verbrauchs von ca. 9 kg Schokolade in Deutschland: „Für die Hüften der Leute ist es auch besser, dass insgesamt weniger Süßkram gegessen wird!“ – also Qualität vor Quantität.
Beim Auseinandergehen waren sich die Schüler*innen einig: „Man kann etwas tun – Wir können etwas tun!“

Vorhang!

Sie sind herzlich eingeladen die Spielleiter*innen zu kontaktieren. Wir besprechen gerne mit Ihnen, wie wir eine Aufführung des Planspiel-Events in Ihrer Schule, Hochschule oder in Ihrem Betrieb realisieren.

Gemeinwohlige Grüße
Ihre Spielleiter*innen: Christian Molt und Kirsten Stratmann