GEMEINWOHL-ÖKONOMIE

NEWSLETTER
April 2018

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LIEBE INTERESSENT*INNEN, UNTERSTÜTZER*INNEN,
AKTIVE UND MITGLIEDER DER GEMEINWOHL-ÖKONOMIE,

Kate Raworth, die „Donut-Ökonomin“, ist nach Wien gekommen, um die deutsche Version ihres Buches vorzustellen, das international Furore macht. Die GWÖ hat am Sonntag ein ORF-Dialogforum mitorganisiert, über das wir berichten.

Auf Basis von Kate Raworths Donut hat die Universität Leeds einen Ländervergleich entwickelt. Für Österreich, Deutschland und die Schweiz weist die Analyse zwar gute soziale Indikatoren, aber umso schlechtere ökologische aus.

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WEITERE MELDUNGEN

1. die Gemeinwohl-Ökonomie im öffentlichen Bereich: Baden-Württemberg; Stuttgart; Mannheim; Breklum, Bordelum und Klixbüll; Kirchanschöring; Steinbach; Marburg-Biedenkopf 
2. taz lab: Wie wir arbeiten wollen
3. Prominente Medienberichte: ARD, 3sat, Makrsokop, Bayerisches Fernsehen 
4. GWÖ-inspirierte Kurzgeschichten: König Kunde

KURZINFO

• Lernweg für zertifizierte Gemeinwohl-Berater*innen: Zertifizierung zur GWÖ-Berater*in in Wien

• Twitter: der Papst über das Gemeinwohl

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Wir freuen uns über tolle Veranstaltungen, mediale Aufmerksamkeit, Zuspruch von wichtigen Persönlichkeiten und die ersten gelben Löwenzahn-Blumen für dieses Jahr. Möge sich die Gemeinwohl-Ökonomie so kräftig verbreiten wie die Samen der Pusteblumen.

gemeinwohl-orientierte Grüße sendet ihnen
Daniela von Pfuhlstein für den AK Kommunikation

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Britische "Doughnut-Ökonomin" zu Gast in Österreich

Quelle: Christian Felber

Die Britin Kate Raworth ist aktuell der Shooting-Star der alternativen Ökonom*innen-Szene. Die ehemalige Oxfam-Expertin und Mutter von Zwillingen schlug zunächst den klassisch akademischen Weg über ein Wirtschaftsstudium in Oxford ein, war aber schon bald enttäuscht: Die Modelle erschienen ihr realitätsfremd und den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts nicht gewachsen. Auf der Suche nach Antworten zeichnete sie einen Donut, der sich aus der sozialen Unter- und der ökologischen Obergrenze der Menschheit und ihres Umweltverbrauchs darstellt. Aufgabe der Ökonomie des 21. Jahrhunderts sei, die Menschheit innerhalb dieser beiden Grenzen zu steuern, „im sicheren Ring des Donuts“. Inzwischen lehrt Raworth an den Universitäten Oxford und Cambridge Ökonomie und verbreitet das Donut-Wirtschaftsmodell weltweit. Im März erschien die deutsche Version des Buchs „Donut-Ökonomie: Endlich ein Wirtschaftsmodell, das den Planeten nicht zerstört“. Darin definiert sie insgesamt sieben Ansätze für die Ökonom*innen des 21. Jahrhunderts und sieht vor allem die Wirtschaftswissenschaft in der Verantwortung. Diese müsse veraltete Grund- und Denkansätze loslassen und neue Prinzipien aufnehmen, allen voran ein ökologisch regeneratives und sozial distributives Design der Wirtschaft.

Die Gemeinwohl-Ökonomie hat Kate Raworth gemeinsam mit der Gesellschaft für Plurale Ökonomik nach Österreich geholt und gemeinsam mit dem ORF ein Dialogforum mit dem Titel „Wem nützt Wirtschaft?“ am 22. April 2018 veranstaltet. Nach der Keynote von Kate Raworth nahmen Christian Felber, Monika Köppl-Turyna von Agenda Austria, Katharina Schrimpf von der Gesellschaft für plurale Ökonomik, Werner Wutscher von New Venture Scouting sowie Leonhard Dobusch, Professor für Wirtschaftswissenschaft an der Universität Innsbruck, an der Diskussion teil. Klar abgelehnt wurde auf dem Podium das österreichische Regierungsvorhaben, das Wirtschaftswachstum als Staatsziel in der Verfassung zu verankern. Raworth und Felber waren sich einig, dass stattdessen der Erhalt der Lebensgrundlagen und das Gemeinwohl langfristig bessere Staatsziele seien.

Die Sendung wird am 3. Mai 2018 um 23:15 Uhr auf ORF III ausgestrahlt.
Die Presseinformation zur Veranstaltung finden Sie hier.
Eine vergleichende Übersicht findet sich im Blog-Beitrag von Christian Felber.

Aktuell tourt Kate Raworth noch durch Deutschland, heute Abend ist sie um 18:00 Uhr in Berlin in der Heinrich-Böll-Stiftung zu Gast: Deutschland-Tour.

Quelle: ORF

Ein gutes Leben für Alle innerhalb der Grenzen des Planeten

Auf der Webseite, der Universität Leeds gibt es eine Analyse auf Basis der "Donut-Ökonomie" für 149 Länder der Welt, zusätzlich für die 28 EU Staaten und die G20 Staaten. Nationale ökologische und soziale Auswirkungen werden mit dem sogenannten „sicheren und gerechten Raum“ verglichen.

Für Deutschland, Österreich und die Schweiz sieht die Bilanz nicht gut aus: Starker Überverbrauch in fünf von sieben ökologischen Grundkategorien: CO2-Emissionen, Phosphor, Stickstoff, ökologischer Fußabdruck und Material-Fußabdruck.

Quelle: goodlife.leeds.ac.uk   In der Grafik links Österreich, rechts Deutschland

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Die Gemeinwohl-Ökonomie
im öffentlichen Bereich

Tagesaktuelle News

Stuttgart, 27. April 2017: Die GRÜNE Landtagsfraktion Baden-Württemberg hat heute Vormittag ein öffentliches Fachgespräch zum Thema Gemeinwohl-Ökonomie im Abgeordnetenhaus veranstaltet. Als Referenten auf dem Podium waren Thekla Walker, MdL und stellvertretende Vorsitzende der Fraktion Bündnis90/Die Grünen Baden-Württemberg; Prof. Dr. Klaus Gourgé, Leiter MBA Trend- und Nachhaltigkeits-Management der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen; Dr. Oliver Viest, GWÖ-Berater und Geschäftsführer der Social Profit Agentur em-faktor; Valentin Jäger, Leiter Qualitätsmanagement, Umwelt- und Managementbeauftragter der Taifun-Tofu GmbH; Sabine Bergmann-Dietz, Geschäftsführerin leben & wohnen Eigenbetrieb der Stadt Stuttgart und Max Reger, Landesforstpräsident Baden-Württemberg, Forst BW.

In ihrem Koalitionsvertrag hat die grün-schwarze Landesregierung vereinbart, mit einem Pilotprojekt „Gemeinwohl-Bilanz“ bei einem Unternehmen mit Landesbeteiligung dessen Beitrag zum Gemeinwohl umfassend und transparent darzustellen. Hierfür wurde der Landesbetrieb Forst BW ausgewählt. Um dieses Vorhaben zu begleiten und voranzutreiben fand das heutige öffentliche Fachgespräch statt.

Prof. Gourgé bezeichnet die Gemeinwohl-Ökonomie als das "bisher beste ausgearbeitete, praktikable, praxis-erprobte, erfolgsversprechende Konzept“ anstatt unseres existierenden und offensichtlich nicht mehr zukunftsfähigen Wirtschaftssystems.

Der authentische und lebendige Beitrag von Valentin Jäger, der sich dazu bekannte ursprünglich sämtliche Vorurteile gegen die Gemeinwohl-Bilanz für sich zu beanspruchen, zeigte dass Ressentiments in Überzeugung umschlagen können. Inzwischen ist Jäger von der Effektivität und Notwendigkeit der Gemeinwohl-Bilanz überzeugt. Die Transformation formuliert er so: „Total Quality Managment wird Total Ecogood Management!“

Reger befasst sich seit kurzem mit der Gemeinwohl-Bilanz und ist derzeit noch mit der passenden Begriffsdefinition der Indikatoren für den ForstBW beschäftigt. Reger und Walker verständigten sich darauf, dass der Bilanzierungs-Prozess des landeseigenen Betriebs durch wissenschaftliche Begleitung einen zentralen Mehrwert erhält. Es wird mehrfach betont, dass die Privatwirtschaft gezeigt hat, dass die Gemeinwohl-Bilanzierung funktioniert und nun die politische Diskussion notwendig ist um die wirtschaftliche Nachhaltigkeit voranzutreiben, denn letztendlich haben sowohl die Politik als auch die Wirtschaft das Ziel gemeinsam eine gute Welt zu gestalten.

Quelle: Helen Neubauer

Stuttgart: Projektmanagerin
"Nachhaltigkeit - Gemeinwohl" berät Unternehmen

Zum 1. April 2018 hat die Stadt Stuttgart die erste Stelle im öffentlichen Dienst mit klarem Bezug zur Gemeinwohl-Bilanzierung besetzt. Christiane Hagmann-Steinbach betreut ein vom Gemeinderat initiiertes Förderprojekt, das Stuttgarter Unternehmen dabei begleitet, eine Gemeinwohl-Erstbilanz zu erstellen, sich zu vernetzen und das Nachhaltigkeits-Management zu stärken. Ines Aufrecht, Leiterin der städtischen Wirtschaftsförderung sagt: "Viele Studien zeigen es: keine Firma kann es sich mehr leisten, ökologische und soziale Fragen auszuklammern. Wir wollen dem Auftrag des Gemeinderats nachkommen und insbesondere kleinere und mittlere Unternehmen, deren Ressourcen limitiert sind, dafür gewinnen, in die Gemeinwohl-Bilanzierung einzusteigen. Damit können die Betriebe ihr Engagement für Nachhaltigkeit stärken und am Markt, aber auch gegenüber Geschäftspartnern und Bürgern sichtbar machen. Mit einer Erstbilanz sind beispielsweise auch mittelständische Zulieferer gut dafür gerüstet, Nachhaltigkeit gegenüber ihren großen Kunden innerhalb der Lieferkette zu belegen." (www.stuttgart.de)

Wir gratulieren zu dieser Entwicklung und freuen uns auf eine wegweisende Zusammenarbeit!

Bilanzierung kommunaler Betriebe

Ebenfalls in Stuttgart haben bisher die einzigen städtischen Betriebe bilanziert (wir berichteten in der letzten Ausgabe). Davon inspiriert ist im ebenfalls Baden-Württembergischen Mannheim ein ähnlicher Prozess angestoßen worden. Allerdings wurde bisher noch keine Bilanz eingereicht. 

Gemeinden, die sich auf den Weg gemacht haben

In Nordfriesland haben sich die drei Gemeinden Breklum, Bordelum und Klixbüll das Ziel gesetzt in den nächsten sechs Monaten eine Gemeinwohl-Bilanz zu erstellen. Der Prozess wird durch die „Servicestelle Kommunen in der einen Welt“ und die Aktiv-Region Nordfriesland Nord, die Fördermittel aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes erhält, gefördert.

In Bayern hat die Gemeinde Kirchanschöring beschlossen, sich Gemeinwohl-zertifizieren zu lassen.

Auch in Nordrhein-Westfalen gibt es eine kleine Kommune Steinbach, die an einem GWÖ-Bericht arbeitet.

Von der lokalen zur regionalen Ebene: Die Nachhaltigkeitskonferenz in Marburg-Biedenkopf im Herbst 2017 hat gewirkt: Die dort anwesende Landrätin Kirsten Fründt lud Christian Felber ein, um über die Realutopie eines ersten „Gemeinwohl-Landkreises“ in Deutschland nachzudenken. Mit an Bord war Josef Rother, einer der Koordinatoren des GWÖ-Energiefelds Lahn-Eder und professioneller Kommunalentwickler. In einem Protokoll wurden 19 Optionen zusammengefasst, von denen der Landkreis acht umsetzen möchte! Darunter befinden sich, u. a., die erste Gemeinwohl-Zertifizierung für einen Landkreis und die Entwicklung eines Gemeinwohl-Produkts für die Region.

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taz.lab

Die Gemeinwohl-Ökonomie war Kooperations- und Medienpartner des taz.lab am 21. März 2018 in Berlin mit dem Thema „Wie wir arbeiten wollen“. Christian Felber nahm am Streitgespräch „Vollgeld: Demokratische Revolution oder Fiasko?“ teil. Hintergrund ist die nahende Volksabstimmung in der Schweiz über die Vollgeld-Reform. In Deutschland und Österreich ist die Diskussion darüber praktisch inexistent. Deshalb holte taz-Redakteurin und Buchautorin Ulrike Herrmann zwei prononcierte Meinungen – zufällig beide aus Österreich – nach Berlin, um die Diskussion auch in Deutschland zu beginnen. Christian Felber wurde als Befürworter eingeladen, der renommierte Ökonom Stephan Schulmeister als Gegner. Die Diskussion verlief sachlich und brachte neue Einblicke in ein noch weitgehend unbekanntes Thema. Ein Einführungstext von Christian Felber findet sich hier.

Im Foyer des „Hauses der Begegnung der Kulturen“ in Berlin, wo das taz.lab stattfand, befand sich auch ein Stand der Gemeinwohl-Ökonomie, zu dem viele neue Interessierte kamen und sich intensiv beraten ließen. Die Standbetreuer aus verschiedenen GWÖ-Regionalgruppen verbrachten einen schönen Tag und freuten sich über die wunderbare Zusammenarbeit.

Quelle: Jutta Hieronymus

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Prominente Medienberichte

• 13.04.2018 ARD mittagsmagazin (ab Minute 30:42 Gemeinwohl-Ökonomie)

• 12.04.2018 3sat scobel: Marx heute (ab Minute 34:43 Gemeinwohl-Ökonomie)

• 12.04.2018 3sat Interview: Was ist Gemeinwohlökonomie?

• 09.04.2018 Makroskop Die Gemeinwohl-Ökonomie – eine Alternative zum Neoliberalismus

• 28.03.2018 Bayerisches Fernsehen Konsum oder Moral – geht beides? (ab Minute 22:40 Gemeinwohl-Ökonomie)

Alle Medienbeiträge zu Deutschland und Österreich finden Sie im Presse-Bereich der Webseite, die Schweiz wird noch eingerichtet.

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GWÖ-inspirierte Kurzgeschichten:
König Kunde

Sich heutzutage als Konsument und Weltbürger ethisch zu verhalten, wird immer dringlicher. Gleichzeitig sind die Menschen in den Wohlstandsgesellschaften von mehr Ablenkungen und Versuchungen umgeben als jemals zuvor. Das Ergebnis ist oft eine Diskrepanz zwischen Wollen und Handeln.

Das Buch „König Kunde: Kurzgeschichten für Konsumenten“ von Rainer Müller soll uns auf amüsante und unkonventionelle Weise auf diese Widersprüche hinweisen und zum Denken und Handeln anregen. Philosophierende Kühe, Aliens, Märchenwesen und ein moderierender Schuh sind die Protagonisten dieser 42 subversiven Kurzgeschichten, die uns aus unserer Bequemlichkeit rütteln wollen.

Rainer Müller: König-Kunde: Kurzgeschichten für Konsumenten €16

Leseprobe hier und Buch bestellen hier.

Quelle: Rainer Müller

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Kurzinfo

Lernweg für zertifizierte Gemeinwohl-Berater*innen

In Wien in zwei Modulen (1./ 2. Juni und 28./29. September 2018)
Das Trainer*innen-Team: Dr. Angela Drosg-Plöckinger und Dr. Manfred Kofranek
Zertifizierung zur GWÖ-Berater*in für Unternehmensberater*innen, Personal- oder Organisationsentwickler*innen mit mindestens vier Jahren Berufserfahrung sowie interessierte Unternehmer*innen, die sich professionell mit der Ausrichtung ihres Unternehmens beschäftigen wollen.
Anmeldung bis spätestens 5. Mai 2018 per Mail
Manfred Kofranek, Tel. +43 (0) 699 11817937
Angela Drosg-Plöckinger, Tel. +43 (0) 650 210 13 29

Auch Papst Franziskus sieht im Gemeinwohl einen wesentlichen Wert, wie er in seinem Beitrag auf Twitter betont.

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Sind Sie schon dabei?

Für das weitere Wachstum der Gemeinwohl-Ökonomie sind ehrenamtliche Mitarbeit, Mitgliedsbeiträge und Spendengelder notwendig.

Beteiligen auch sie sich!

• Wir freuen uns über jede/n, der/die sich engagiert. Werden sie jetzt aktiv!

• Als Mitglied helfen sie uns finanziell und geben der Stimme der GWÖ mehr Gewicht. Werden sie jetzt Mitglied!

• Als Non-Profit-Organisation sind Spenden ein wichtiger Baustein zur Umsetzung unserer Projekte. Spenden sie jetzt!

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