GEMEINWOHL-ÖKONOMIE

NEWSLETTER
Frühjahr 2018

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LIEBE INTERESSENT*INNEN, UNTERSTÜTZER*INNEN,
AKTIVE UND MITGLIEDER DER GEMEINWOHL-ÖKONOMIE,

die Gemeinwohl-Ökonomie hat das neue Jahr damit begonnen im Bereich Wissenschaft und Forschung durchzustarten. So dass wir, passend dazu, auch die Newsletter 2018 mit diesem Themen-Schwerpunkt starten.

Wissenschaftlicher Vergleich zu Nachhaltigkeitsstrategien von Unternehmen: Forschungsergebnisse unterstreichen positiven Einfluss der Gemeinwohl-Ökonomie

ReCkOn Forschungsprojekt: Vergleich von GWÖ-bilanzierten und konventionellen Unternehmen
Wissenschaftliche Lehre der GWÖ: AIM und HfWU und Universität Valencia

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WEITERE MELDUNGEN

1. GWÖ meets „Doughnut“: ORF-Dialog Forum Wem nützt Wirtschaft?
2. GWÖ-Bilanzierung in Kommunen: Stuttgart — zwei städtische Unternehmen haben bilanziert
3. Gemeinwohl-Ökonomie in Zürich: neue GWÖ-Gruppe gestartet
4. GWÖ-Matrixhandbuch: Arbeitsbuch zur Gemeinwohl-Bilanz 5.0
5. Gemeinwohl-Ökonomie als Taschenbuch: neue, aktualisierte Ausgabe
6. Transforming Capitalism Lab: weltweite Plattform von MIT-Professor und GWÖ-Botschafter Otto Scharmer 
7. Medienfeuerwerk: ARD Aspekte, Bayerisches Fernsehen, Deutschlandradio, Kurier, Presse, Sächsische Zeitung

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KURZINFOS

• Lernweg für zertifizierte Gemeinwohl-Berater*innen: Zertifizierung zur GWÖ-Berater*in in Wien

• Weitere Literaturtipps

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Wissenschaftlicher Vergleich zu Nachhaltigkeitsstrategien von Unternehmen:

Forschungsergebnisse unterstreichen positiven Einfluss der Gemeinwohl-Ökonomie

Kürzlich wurden die Ergebnisse des 3-jährigen Forschungsprojekts Gemeinwohl-Ökonomie im Vergleich zu unternehmerischer Nachhaltigkeitsstrategien (GIVUN) an der Europa-Universität Flensburg, gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung in Berlin im Rahmen einer stark besuchten wissenschaftlichen Tagung präsentiert.

Unter der Leitung von Dr. Bernd Sommer und Prof. Dr. Harald Welzer wurde im Rahmen von GIVUN unter dem Titel Zwischen Gewinnmaximierung und Gemeinwohl: Unternehmen in der sozial-ökologischen Transformation das transformative Potenzial der Gemeinwohl-Ökonomie ausgelotet: „Die Gemeinwohl-Bilanz zielt im Vergleich mit anderen Instrumenten unternehmerischer Nachhaltigkeit vergleichsweise stark auf Suffizienz bzw. die absolute Reduktion des Naturverbrauchs und hat damit das Potenzial, zur Transformation in Richtung einer ressourcenleichteren Gesellschaft beizutragen“, fasst das Projektteam die Ergebnisse zusammen. Und weitere: „Durch die Abdeckung eines breiten sozial-ökologischen Spektrums ist die Gemeinwohl-Bilanz für Unternehmen mit heterogener Zielsetzung anschlussfähig. Sie trägt zur besseren Handlungsfähigkeit gemeinwohl-orientierter Akteure und zu einer Optimierung der Rahmenbedingungen für Unternehmen auch außerhalb des gemeinwohl-orientierten Akteur*innenkreis bei.“

An der Tagung beteiligten sich zahlreiche Wissenschaftler*innen aus ganz Deutschland und darüber hinaus, darunter Jana Gebauer (IÖW Berlin), Stefanie Deinert (Hochschule Fulda), Ralf Köhne (CAU Kiel) oder Christoph Schank (Uni St. Gallen), um nur einige zu nennen. Am Abschlusspodium diskutierte der Hauptprojektinitiator und -koordinator Bernd Sommer von der Universität Flensburg mit Maja Göpel (früher World Future Council, jetzt Geschäftsführerin des wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung zu Globalen Umweltveränderungen) und GWÖ-Initiator Christian Felber zum transformativen Potential der Gemeinwohl-Ökonomie in der Zukunft.

Weiteres Forschungsprojekt

Mit einem weiteren positiven Aspekt der Gemeinwohl-Ökonomie beschäftigt sich derzeit das Projekt ReCkOn des Instituts für Soziologie an der Universität Graz. Gegenstand der Untersuchungen ist der Unterschied zwischen GWÖ-bilanzierten Unternehmen und konventionellen Unternehmen in Bezug auf Arbeitsqualität, Gesundheit und Arbeitszufriedenheit. Geleitet wird das Projekt von von Dr. Laia Ollé Espluga und Dr. Johanna Muckenhuber.

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Wissenschaftliche Lehre der GWÖ

Im Herbst 2018 beginnt das erste Masterprogramm „Angewandte Gemeinwohl-Ökonomie“. Der 4-semestrige Master-Studiengang ist eine Kooperation zwischen dem Studienzentrum Saalfelden, der Fachhochschule Burgenland und dem Austrian Institute for Management (AIM) und richtet sich insbesondere an berufstätige Akademiker*innen.

Auch die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen (HfWU) bietet unter dem Motto Zukunft studieren einen berufsbegleitenden MBA-Studiengang „Trend- und Nachhaltigkeits-Management“ an. Erstmals wird darin dieses Semester auch ein Themenschwerpunkt zur Gemeinwohl-Ökonomie enthalten sein. Inhaltlich verantwortlich für das Modul ist Dr. Oliver Viest, Vorstand GWÖ Baden-Württemberg: Der nächste Jahrgang startet im September, die Anmeldefrist läuft bereits.

Studium Universität Valencia

Die GWÖ-Lehrgänge purzeln nur so: Der weltweit erste Lehrstuhl Gemeinwohl-Ökonomie an der Universität Valencia bietet nun auch einen Lehrgang für GWÖ-Berater*innen an.

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GWÖ meets „Doughnut“

Ein aufgehender Stern am Ökonom*innen-Himmel kommt aus Großbritannien: Kate Raworth wurde bereits als Oxfam-Expertin für ihren „Doughnut“ bekannt, der das soziale Minimum (die Deckung der Grundbedürfnisse aller Menschen) und das ökologische Verbrauchsmaximum der Menschheit in eine Grafik fasst, bekannt. Nun hat sie ihre Gedanken zum Buch "Doguhtnut Economics. Seven Ways to Think Like a 21st Century Economist" zusammengefasst, das wir sehr empfehlen können (siehe Literaturtipps am Ende). Christian Felber hat im Februar einen Tag lang mit Kate Raworth an der Business School Lausanne gearbeitet und kurz darauf für das belgische Mo-Magazin ein gemeinsames Interview gegeben. Im April stellt Kate Raworth die deutsche Ausgabe der Donut-Ökonomie vor. Die Gemeinwohl-Ökonomie hat sie gemeinsam mit der Gesellschaft für Plurale Ökonomik nach Österreich geholt und veranstaltet gemeinsam mit dem ORF ein Dialogforum zum „Donut“:

ORF-Dialogforum „Wem nützt Wirtschaft?“ am 22. April 2018 um 13:00 Uhr im ORF RadioKulturhaus in Wien. Anmeldung hier.

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Blog-Vorschau

Eine Zusammenfassung des Vergleich Gemeinwohl-Ökonomie und Doughnut Economics wird in Kürze als Blog auf unserer Webseite eingestellt. Den Blog-Beiträgen können sie hier folgen. 

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GWÖ-Bilanzierung in Kommunen

 

In Stuttgart haben die ersten beiden Kommunalbetriebe eine Gemeinwohl-Bilanz erstellt.

Der städtische Eigenbetrieb leben & wohnen (ELW) bietet Einrichtungen und Dienstleistungen der Altenhilfe und Wohnungslosenhilfe - für ein Leben in Menschlichkeit, Würde, Selbstbestimmung und Sicherheit und hat insgesamt 950 Mitarbeiter*innen. ELW ist der erste Betrieb, der nach der Matrix 5.0 bilanziert hat.

Beim zweiten Unternehmen handelt es sich um den Eigenbetrieb Stadtentwässerung Stuttgart (SES). Mit rund 370 Mitarbeiter*innen ist er zuständig für die Ableitung und Behandlung der im Stuttgarter Einzugsgebiet sowie in neuen Nachbarstädten anfallenden Abwässer. SES plant, baut, betreibt und unterhält die Kanalisation, die Regenbecken sowie die Abwasserpumpwerke Ein eigenes SES-Zentrallabor übernimmt die kontinuierliche Überwachung des Abwassers.

Die beiden Geschäftsführer äußern sich positiv über den Prozess der GW-Bilanzierung:

Sabine Bergmann-Dietz, ELW-Geschäftsführerin, sagt „Es war sehr spannend zu eruieren, in welchen Geschäftsfeldern, wir bereits sehr gemeinwohl-orientiert handeln und wo wir Nachholbedarf sehen. Wir freuen uns sehr, dass der Gemeinderat die Mittel zur Verfügung stellt unsere Lieferkette noch nachhaltiger zu gestalten.“

Auch Frank Endrich, Geschäftsführer der SES, hat sich von der Initiative mitreißen lassen und sagt darüber: „Innovative ökologische Verfahren und gutes Personal-Management werden durch die Gemeinwohl-Bilanz sichtbar und regen wahrscheinlich Nachahmer an!“

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Gemeinwohl-Ökonomie in Zürich

Ende Februar fand ein erstes Treffen der neuen Gruppe unter Begleitung von Ralf Nacke vom GWÖ-Vorstand Schweiz in Zürich statt. Im „jenseits“, das als Café und Co-Working Place ein geeigneter Ort für die Treffen und Veranstaltungen der Regionalgruppe Zürich ist, plant die Gruppe monatlich zusammen zukommen. Die Treffen beginnen jeweils mit einem Impuls-Vortrag und/oder Workshop, im Anschluss findet der organisatorische Teil statt. 

Das nächste Treffen ist am Mittwoch, 4. April um 19:00 Uhr. Interessierte wenden sich bitte an Ralf Nacke

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Neu erschienen

GWÖ-Matrixhandbuch 

Kürzlich erschien das Arbeitsbuch zur Gemeinwohl-Bilanz 5.0. Es ist für Organisationen gedacht, die einen Gemeinwohl-Bericht erstellen wollen und dient als Begleitung auf dem Weg dorthin. Interessierte und Kund*innen finden darin alle nötigen Informationen um die Themen und Aspekte der Gemeinwohl-Matrix zu verstehen, eine Selbsteinstufung vornehmen und eine Gemeinwohl-Bilanz erstellen zu können. Enthalten sind im Arbeitsbuch die Variante Vollbilanz und Bilanz Kompakt.

Erstellt wurde die Printversion vom 15-köpfigen Matrix-Entwicklungsteam der GWÖ.

Gemeinwohl-Ökonomie als Taschenbuch

Siebeneinhalb Jahre nach dem Erscheinen der Erstausgabe im August 2010 hat sich das Buch Gemeinwohl-Ökonomie des österreichischen Publizisten und Wirtschaftsreformers Christian Felber in insgesamt zwölf Sprachen bald 100.000mal verkauft. Nun ist das Referenzwerk der internationalen GWÖ-Bewegung theoretisch besser fundiert und rundum aktualisiert am 1. März als Taschenbuch bei Piper erschienen. Auf Grund der internationalen positiven Entwicklungen der Bewegung hat Christian Felber den Text für die Taschenbuch-Ausgabe gründlich überarbeitet, präzisiert, aktualisiert und mit zusätzlichen Quellen versehen.

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Transforming Capitalism Lab

MIT-Professor und GWÖ-Botschafter Otto Scharmer startet am 1. April das frei zugängliche Transforming Capitalism Lab eine weltweite Plattform, die Menschen und Initiativen miteinander verbindet, die an einer Ökonomie von morgen mitarbeiten wollen und beschäftigt sich dabei mit allen zentralen Akupunkturpunkten unserer Wirtschaft.

Mit inspirierenden Beispielen zeigt das Lab, wo auf der Welt die Ökonomie von morgen bereits jetzt gelebt wird. Dazu lernen die Teilnehmenden Methoden und Werkzeuge, wie sie selbst solche Projekte aufsetzen und sich mit anderen Menschen vernetzen können, die das in ihrem eigenen Umfeld praktisch machen. Damit ermöglicht das Transforming Capitalism Lab eine virtuelle Lernreise zu den Orten mit dem höchsten Potenzial – für eine andere Wirtschaft von morgen.

Anmeldung hier.

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Medienfeuerwerk

• Die GWÖ war in den ZDF Aspekte exklusiv zu Gast im Studio

• GWÖ-Botschafter Günter Grzega wurde vom österreichischen Kurier interviewt

• ein Gastkommentar in der Sächsischen Zeitung zur Standortpolitik von Siemens

• in der uns sonst nicht so günstig gestimmten Presse durfte Christian Felber einen Gastkommentar zu Ethischer Welthandel platzieren

• der Deutschlandfunk machte ein längeres und aktuelles Porträt über die GWÖ

• Christian Kozina schrieb einen Gastkommentar für den Kurier zum Thema Wirtschaftswachstum als Staatsziel

• und das Bayrische Fernsehen porträtierte in der Sendung Station ab Minute 22:40 einmal mehr die GWÖ am Beispiel der Herzogsägmühle.

Alle Medienbeiträge zu Deutschland und Österreich finden Sie im Presse-Bereich der Webseite, die Schweiz wird noch eingerichtet.

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Lernweg für zertifizierte Gemeinwohl-Berater*innen

In Wien in zwei Modulen (1./ 2. Juni und 28./29. September 2018)
Das Trainer*innen-Team: Dr. Angela Drosg-Plöckinger und Dr. Manfred Kofranek
Zertifizierung zur GWÖ-Berater*in für Unternehmensberater*innen, Personal- oder Organisationsentwickler*innen mit mindestens vier Jahren Berufserfahrung sowie interessierte Unternehmer*innen, die sich professionell mit der Ausrichtung ihres Unternehmens beschäftigen wollen.
Anmeldung bis spätestens 1. Mai 2018 per Mail
Manfred Kofranek, Tel. +43 (0) 699 11817937
Angela Drosg-Plöckinger, Tel. +43 (0) 650 210 13 29

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Weitere Literaturtipps

• Kate Raworth: Die Donut-Ökonomie: Endlich ein Wirtschaftsmodell, das den Planeten nicht zerstört. Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG

• Mathilda Reinicke : Anders wachsen!: Von der Krise der kapitalistischen Wachstumsgesellschaft und Ansätzen einer Transformation. oekom verlag

• Ernst Ulrich von Weizsäcker: Wir sind dran. Club of Rome: Der große Bericht: Was wir ändern müssen, wenn wir bleiben wollen. Eine neue Aufklärung für eine volle Welt. Gütersloher Verlagshaus

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Sind Sie schon Mitglied in einem GWÖ-Verein?

Eine breite Mitgliedschaft ermöglicht uns, eine professionelle Infrastruktur und ein kompetentes Team aufzubauen, um mit den Unternehmen, Kommunen, Regierungen und Universitäten auf Augenhöhe kommunizieren zu können. Bitte helfen auch Sie mit, die Ressourcen-Basis der GWÖ-Bewegung zu stärken: Aktiv werden können sie hier.

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Im GWÖ-Team hat Stephanie Ristig-Bresser aus persönlichen Gründen die Tätigkeit der Online-Redakteurin beendet. Wir bedanken uns an dieser Stelle für ihr beherztes Engagement. Sie wird uns weiterhin ehrenamtlich unterstützen.

Seit 1. März betreut nun Daniela von Pfuhlstein den Newsletter und andere GWÖ-Medien; außerdem ist sie für die Koordination der Pressearbeit für Deutschland zuständig.

Einen lichtreichen Frühling mit gemeinwohl-orientierten Grüßen sendet ihnen

Daniela von Pfuhlstein für den AK Kommunikation

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